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Jean-Baptiste Pracca: „Das neue Büro, ein neues Management-Tool“

Jean-Baptiste Pracca: „Das neue Büro, ein neues Management-Tool“

5. Juni 2020


Flächendeckendes Homeoffice wird wohl nicht die Antwort auf die Frage „Welche Büroimmobilien von morgen?“ sein, doch die aktuelle Krise zwingt uns dennoch dazu, die Organisation der Arbeit, der Büros und der Wohnungen neu zu überdenken. Eine Perspektive zu unserem Thema „Die Welt danach“, die Jean-Baptiste Pracca, Gründer von Mata Capital, im folgenden Text darlegt.


Die Situation, die wir derzeit erleben, ist beispiellos und global. Wir alle sind von dieser Situation betroffen. Wie wird sie ausgehen? Wie werden wir uns davon erholen? Niemand kann das heute vorhersagen. So wie niemand diese Situation vorhergesehen hatte. Eine einzige Gewissheit: Diese Krise stellt unsere privaten und beruflichen Lebensweisen auf den Kopf und schafft dabei Verbindungen zwischen ihnen.


Seit Beginn des Lockdowns sollte der Aufschwung des Homeoffice, das seine Effizienz bewiesen hat, zu einer tiefgreifenden Reflexion über die Organisation unserer Arbeitsbedingungen führen. Das Büro, wie wir es heute kennen, wird sich in den kommenden Jahren tatsächlich weiterentwickeln müssen, um mehr Flexibilität zu bieten. Diese Flexibilität wird sowohl den Bedürfnissen der Unternehmen als auch denen der Mitarbeiter gerecht, wobei letztere darauf bedacht sind, ihre Work-Life-Balance zu erhalten oder zu verbessern. Und das, um manchmal lange Stunden im öffentlichen Nahverkehr zu vermeiden. In diesen neuen Räumen werden übrigens Orte bevorzugt, die den Austausch fördern. Denn, und das ist eine der Lehren aus dieser Krise, auch wenn wir alle im Lockdown zu Hause sind, konnten wir dank der zahlreichen uns zur Verfügung stehenden Telekommunikationsmittel die Nähe zu unseren Familien, Freunden und Kollegen aufrechterhalten.

Neu konzipierte Büroräume zur Förderung des Austauschs


Unsere Art, unsere Arbeitsorganisation zu gestalten, hat sich in den letzten Jahren ständig weiterentwickelt. Von den „traditionellen“ geschlossenen Büros zum „Open Space“, über die jüngste Schaffung von Coworking Spaces bis hin zur Einführung von „Flex Office“ und Homeoffice: Wir erleben eine echte Revolution in unserer Art, bei der Arbeit zu interagieren. Es gibt nicht mehr nur einen Arbeitsplatz, sondern vielfältige Umgebungen. Und genau das suchen die meisten jungen Talente, die viel eher bereit sind, einem Unternehmen beizutreten, das diese Flexibilität und Anpassungsfähigkeit bietet. Eher an eine Arbeitsumgebung als an ein persönliches Büro gebunden, sollte die aktuelle Krise, die wir durchleben, das Aufkommen dieses neuen Trends und diese Agilität in den beruflichen Praktiken beschleunigen. Während viele Führungskräfte noch Bedenken und Sorgen bezüglich der Einführung von Homeoffice hatten, muss man feststellen, dass diese Arbeitsweise nicht nur reibungslos funktioniert, sondern auch die Produktivität, Effizienz und das Wohlbefinden der Mitarbeiter verbessert werden. Eine Erkenntnis, die sicherlich nach dem Ende des Lockdowns neue Überlegungen zur Arbeitsorganisation in Unternehmen anstoßen wird.


Dennoch bedeutet diese neue Situation nicht das Ende der Büroimmobilien. Denn, und das wird durch unsere aktuelle Erfahrung deutlich, wir werden uns immer treffen und austauschen müssen. Nichts kann den menschlichen Kontakt tatsächlich ersetzen. Die Herausforderung besteht heute eher darin, das Büro neu zu denken und zu gestalten, nicht mehr nur als einen dem Arbeiten gewidmeten Raum, sondern als einen Ort, der Begegnungen, Kommunikation und Kreativität fördert. Es wird daher notwendig sein, eine echte Reflexion über die lokale Gestaltung und Einrichtung zu führen, um den Mitarbeitern Räume zu bieten, die für Arbeitsbesprechungen oder auch für konzentriertes Arbeiten geeignet sind. Gesellig und ergonomisch gestaltet, werden diese neuen Räume somit einen besseren Informationsaustausch zwischen den Mitarbeitern ermöglichen und dazu beitragen, mehr Geselligkeit zu schaffen, ähnlich wie die Cafeteria oder die Kaffeemaschine, die sowohl informellere Kontakte als auch eine bessere Vermittlung der Unternehmenskultur fördert.

Starke Auswirkungen auf den Büro- und Wohnimmobilienmarkt


In einem solchen Kontext ist keine erhebliche Reduzierung der Büroflächen zu erwarten. Die Überlegungen zur Kostensenkung im Zusammenhang mit der Unterbringung der Mitarbeiter werden sich insbesondere auf die Lage und den Standort der Büros konzentrieren. Zum Beispiel ist es in der Île-de-France sehr wahrscheinlich, dass viele Unternehmen, die wirtschaftliche Schwierigkeiten erlitten haben, eine Strategie zur Flächenreduzierung und -optimierung verfolgen werden, indem sie die niedrigsten Kosten pro Arbeitsplatz anstreben. Ebenso werden Nutzer nun nach effizienteren Büros suchen, um die Immobilienkosten zu senken. Parallel dazu könnte eine neue Nachfrage nach Zwischenbüros entstehen, die sich zwischen dem Wohnort der Mitarbeiter und dem Hauptbüro oder dem Unternehmenssitz befinden. In diesem Zusammenhang könnten wir dann einen Aufschwung des Immobilienmarktes in der zweiten Ringzone erleben, wie zum Beispiel in Massy oder dem Zentrum von Saint-Quentin-en-Yvelines, das von effizienten Verkehrsanbindungen nach Paris und in die erste Ringzone profitiert und den Vorteil hat, in der Nähe von dicht besiedelten Wohngebieten zu liegen.


Ebenso werden die Beschleunigung des Homeoffice und die Ausstattung der Mitarbeiter mit Kollaborationstools Einsparungen bei den Reisekosten sowie bei der Produktivität der Mitarbeiter ermöglichen, da Videokonferenzen heute ihre Wirksamkeit bewiesen haben. So werden gut angebundene Standorte weiterhin bevorzugt. Ebenso dürfte der Aufschwung des Homeoffice die Entwicklung von Sekundärstädten sowohl im Wohnimmobilienbereich als auch im Bereich der Nahversorgungsimmobilien fördern.


Schließlich müssen Büros künftig neuen Hygieneanforderungen gerecht werden, insbesondere durch die Installation schützender Luftbehandlungssysteme, um diese Arbeitsplätze sicherer zu machen und eine effektivere Zugangskontrolle zu gewährleisten.


Eine Dezentralisierung der Aktivitäten, neue Arbeitsumgebungen, ein Aufschwung digitaler Tools: bereits aufkommende Trends, die durch die aktuelle Krise in den kommenden Jahren eine starke Beschleunigung erfahren dürften.

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